• Ralf Peter Röll

Fantastische Monster in Videospielen




Kaum zu glauben, dass ich die große Ehre habe, für den Blog des fantastischen Autors Jonas M. Light schreiben zu dürfen. Und das, obwohl ich selbst keinen Blog betreibe oder gar schriftstellerisch tätig bin. Warum ich hier schreiben darf, liegt wohl an der von Jonas und mir geteilten Leidenschaft für fantastische Literatur, abgedrehte Filme und allen voran an Videospielen jeglicher Couleur. Letztere sind mit großer Gewissheit der Hauptgrund dafür, warum mir Jonas diese Bühne bietet. Doch warum überhaupt Videospiele in einem Fantasy-Blog?


Fiese Monsterkreationen, die auch Fantasyfans das Fürchten lehren

Videospiele sind seit ihrer Geburtsstunde ein Hort fantastischer Wesen. Wohl jeder passionierte Gamer hat schon einmal einen Zweikampf mit einem Drachen aufgenommen, ist vor einer wilden Horde Zombies geflüchtet oder hat Seite an Seite mit einem Elfen gekämpft. Die Designer der Spiele bedienen sich fleißig am reichhaltigen Fundus mystischer Fabelwesen aus Literatur und Film. Doch nicht selten gehen Videospiele einen eigenen Weg und konfrontieren uns mit nie dagewesenen Monsterkreationen. Deswegen nehme ich euch heute mit auf meiner Suche nach den

Videospielmonstern, die mit einem fantasievollen, schrecklich, schönen Erscheinungsbild sowie ihrer Komplexität, Persönlichkeit und Eigenständigkeit selbst hartgesottenen Fantasy-Lesern das Fürchten lehren dürften.


Warnung: Die folgenden Videos sind nicht geeignet für Leser, die Horrorkreaturen so eklig finden wie ich eine Spinne mit haarigen Beinen auf meiner Pizza Margherita. (Anmerkung Autor Jonas M. Light)

Licker (Resident Evil)

Die ersten Teile der Survival Horror-Serie Resident Evil waren berühmt-berüchtigt für eine Gewaltdarstellung, wie sie selten zuvor zu sehen war. Insbesondere die reichlich verwendeten Full Motion Videos waren für damalige Verhältnisse schockierend. Doch kaum eines dieser FMVs ist so gut in Erinnerung geblieben, wie das des ersten Auftritts eines Lickers. Ich habe noch genau das Bild von damals vor Augen, als mein Charakter um die Ecke bog und langsam den Blick zur Decke richtete. Dort bewegte sich ein Geschöpf auf uns zu. Sein Körper glich dem eines gehäuteten Menschen, samt klar erkennbarer Muskelstränge, Knochenplatten und einem freiliegenden Gehirn. Als er uns schließlich anvisierte, entblößte der Licker seine namensgebende, überdimensionierte

Zunge, die er Bruchteile später als Waffe gegen uns einsetzen wird. Ich nehme nun lieber die Beine in die Hand. Denn zu kostbar ist die rar gesäte Munition und zu groß die Widerstandskraft des Lickers. Da es nicht bei dieser Begegnung bleiben wird, bereiten wir uns nun besser darauf vor. Denn eines ist sicher: Wir sehen uns wieder!





Mimic (Dark Souls)

Dark Souls ist ein wahrer Gamer-Lieberling, auf den die Beschreibung „hart aber fair“

hervorragend zutrifft. Doch eine Kreatur in der Dark Souls-Serie nimmt es mit der Fairness nicht ganz so genau. Die hinterlistigen Mimics. Ein Beispiel: Stellt euch vor, ihr habt als wackerer Held alle hartnäckigen Gegner in einer großen Halle bezwungen. Euer Lohn ist eine Schatztruhe, die am Ende des prachtvollen Raumes nur darauf wartet, von euch geöffnet zu werden – und zack! Plötzlich offenbart die Truhe eine ganze Reihe messerscharfer Zähne und hält euch mit meterlangen Armen fest, bevor sie langsam damit beginnt, euch genüsslich zu verspeisen. Selbst kampferprobte Dark Souls-Veteranen kommen bei dem Gedanken an die fießen Mimics schnell ins Stöhnen, denn

ihre Hinterlist sucht selbst in From Softwares Soulsborne-Universum seines gleichen. Mimics sind im wahrsten Sinne des Wortes gemeingefährlich und schmälern, insbesondere bei niedriger Lebensanzeige, die Vorfreude beim Öffnen eines Schatzes enorm.





Daedrafürsten (The Elder Scrolls)

Die Daedra zählen zu den Hauptwidersachern der Rollenspielreihe „The Elder Scrolls“, die den Helden immer wieder über plötzlich auftretende Portale heimsuchen können. Während die Daedra sich sowohl optisch als auch in ihrer Verhaltensweise deutlich voneinander unterscheiden haben sie gemein, einem der 16 bekannten Daedrafrüsten zu dienen. Diese sind besonders mächtige Vertreter, die sich dem Helden während seines Abenteuers in den Weg stellen. In ihren rötlich schimmernden silbrig-schwarzen Stachelrüstungen sind sie gleichermaßen imposant und tödlich. Wer es dennoch schafft, einen Daedrafürsten zu erledigen, darf sich auf eine satte Belohnung in Form von Daedra-Artefakten und mächtigen Waffen freuen. Doch die Freude währt meist nur kurz, denn alle Daedra sind unsterblich und stellen sich uns früher oder später erneut in den Weg. Alle Versuche, die Daedra auszulöschen, waren bislang zum Scheitern verurteilt.


Zergling (Starcraft)

Die Alienrasse der Zerg aus dem Echtzeitstrategiespiel Starcarft kennt nur ein Ziel: das Jagen und Vereinnahmen fortschrittlicher Spezies zur Fortentwicklung ihres eigenen Gencodes. Ein Zergschwarm besteht aus verschiedenen insektoiden Kreaturen unterschiedlichster Größe und Einsatzfähigkeiten. Doch insbesondere der Zergling, der zu den kleinsten und am frühsten verfügbaren Einheiten in der Entwicklungsstufe des Schwarmes zählt, ist derjenige, die den größten Terror verbreitet. Die frühe Verfügbarkeit an Zerglingen ermöglichen es dem Schwarm, andere Rassen durch schiere Masse bereits in den Anfangsminuten einer Spielpartie zu überrennen. Für

Gegner der Zerg kommt ein gemütlicher Basisaufbau nicht infrage, denn sie müssen stets den berüchtigten „Zergling-Rush“ fürchten und sich entsprechend und vor allem schnell absichern. Doch selbst wenn man den frühen Ansturm übersteht, bleiben die schnellen, tödlichen Nahkämpfer aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit jederzeit gefährlich.





Nekromorph (Dead Space)

Die Einführung des Nekromorphs zu Beginn des Science-Fiction-Horror-Titels Dead Space ist eine denkwürdige. Wir wurden losgeschickt, um mit einer Crew dem Notsignal eines interstellaren Abbauschiffs auf den Grund zu gehen. Kaum haben wir das havarierte Raumschiff betreten, bricht im wahrsten Sinne die Hölle los. Als wir uns vom Rest des Teams trennen, um eine Beurteilung der Schäden vorzunehmen, müssen wir durch eine Sicherheitsglasscheibe hilflos dabei zusehen, wie plötzlich eindringende, groteske Humanoide über unsere Kollegen herfallen und sie dabei in Stücke reißen. Sie scheinen den dunkelsten Albträumen eines H. P. Lovecrafts oder John Carpenters entsprungen zu sein und werden Nekromorphe genannt. Bei ihnen handelt es sich um

(ehemals) tote Menschen, die von einer außerirdischen Infektion befallen wurden. Diese dringt in Leichen ein und verändert sie von innen heraus, wobei Knochen gebrochen und verdreht und Haut und Fleisch aufgerissen werden. Durch diese Transformation treten die Knochen im Armbereich als tödliche Waffen hervor, die nur darauf warten, eingesetzt zu werden.



Clicker (The Last of Us)

Oftmals ist es das Unbekannte, das uns die größte Angst bereitet. In dem Endzeit-Horror-Survival-Game The Last of Us ist das Gegenteil der Fall. Denn hier wir wissen ganz genau was uns erwartet, wenn Klicklaute, unterbrochen von ächzenden Schreien, an unser Ohr dringen. Sie kündigen die Anwesenheit eines oder mehrerer Clicker an. Diese zombieähnlichen Widersacher nutzen verschiedene Laute als Echolot, um uns zu orten. Anders könnten sie ihre „Beute“ auch gar nicht aufspüren. Clicker sind nämlich ehemalige Menschen, die von einem bösartigen Pilz kontaminiert wurden. Dieser hat sie im Laufe weniger Jahre fast vollständig überwuchert. Ihr Gesicht besitzt dadurch keine Augen mehr, sondern besteht nur noch aus knollenförmigen Auswüchsen und einem

großen, vor Geifer triefenden Maul, das sie dafür nutzen, möglichst viele weitere Menschen mit dem bösartigen Pilz zu infizieren.





(K)eine Liste ohne Endgegner?

Das sind sie nun: Die fiesesten Monsterkreationen, die Videospiele zu bieten haben. Doch Moment! Der ein oder andere Gamer unter Jonas Leserschaft wird sich sicherlich fragen, warum es kein einziger Obermotz auf meine Liste geschafft hat. Schließlich stellen Endgegner zumeist nicht nur die erbittertsten, sondern oftmals auch die am besten gestalteten Widersacher dar. Fakt ist, dass die Fülle an gut gemachten Videospielgegner gewaltig ist. Und was nicht ist, kann ja noch werden. Möglicherweise haltet ihr die Liste ohnehin für völligen Humbug und stark verbesserungswürdig, weil die besten Monster gar nicht enthalten sind. Schreibt uns doch in einem Kommentar auf der Tad Time Facebook-Page, welche Ausgeburt der Gamerhölle euch den größten Schrecken bereit hat.

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